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25. Silvretta Classic 6. -8. Juli 2023

Silvretta Classic, das sagt wohl jedem Oldtimerfan etwas. Die Silvretta stand schon lange auf der Wunschliste der Veranstaltungen, die wir noch fahren wollten. Pünktlich zur 25. Ausgabe hat es dann überraschenderweise mit einem Startplatz geklappt. Von ca. 450 Bewerbern wurden auch wir mit meinem Corolla ausgewählt, teilnehmen zu dürfen.

Die Fahrzeugvorbereitungen der Corolla wurde von Gerhard Baumgarten vorgenommen, waren doch an die 600 Kilometer über Alpenpässe sowohl nach oben als aber auch nach unten zu bewältigen. Also wurden neben einer peniblen Inspektion auch einmal rundum die Bremsscheiben und Beläge erneuert. Die Bremsflüssigkeit durch eine mit einem höheren Siedepunkt ersetzt und alles was irgendwie Ärger machen könnte doppelt geprüft und wenn nötig erneuert.

Am Mittwoch den 5. Juli ging es dann los, die Corolla auf dem Hänger, starteten wir in das Abenteuer Silvretta Classic. Unterwegs waren sehr heftige Regenfälle, Stau und Unfälle, aber all das hat uns nicht aufgehalten. Am frühen Nachmittag trafen wir in Partenen ein, die Organisation war wie zu erwarten sehr gut. Es gab einen Parkplatz genau gegenüber der Abnahme der technischen Kontrolle.

 
Die Papierabnahme war rasch erledigt, unsere Fahrtunterlagen waren komplett, also nichts wie hin zum Auto, um die vorgeschriebenen Startnummern, Rallyeschilder und Durchfahrtsgenehmigungen anzubringen. Trotz Regen war auch das schnell erledigt. An der technischen Abnahme hatte sich mittlerweile etwas Hektik verbreitet, da der Regen teilweise sintflutartig nach unten kam.

Nach einiger Zeit war ein Zelt aufgebaut, dann ging es sehr schnell, nach genauer Kontrolle des Fahrzeugscheins betreffs der Eintragungen, Funktionstest der Bremsen, Beleuchtung und Hupe hatten wir den Stempel und Aufkleber der Technischen Abnahme.

Dem Wetter geschuldet sind wir dann ins Hotel gefahren und haben uns intensiv den Bordbüchern gewidmet. Hier kam die erste Ernüchterung auf was wir uns eingelassen haben.

Zum Beispiel eine WP auf 450 Meter 4 Schnittwechsel (was wir hier noch nicht wussten, dass das Ziel dann auch Start einer geheimen WP über 100 Meter war), eine WP auf einem Firmengelände durch einen Slalomparcours mit nicht einsehbarem Ziel, WP mit ausgeschaltetem Motor, also eine reine Rollprüfung.


Dann kam der große Moment, am Donnerstag den 7. Juli fuhren wir über die Startrampe zur ersten Etappe, über Schruns, Silberberg, St. Anton ging es nach Bludenz. Hier ging es durch die Altstadt und wir wurden zum ersten Mal gefeiert wie Weltmeister. Das Publikum klatschte, hat mit Fahnen geschwungen, das Feeling absolut einzigartig. Das Zwischenziel war dann auf der Bielerhöhe auf 2032 Meter Höhe. Die Ergebnisse des ersten Tages bis hierher waren vielversprechend, wir hatten einmal Platz 6 und einmal Platz 9 im Gesamten erreicht, ansonsten unter den Top 50.

Aber dann kam die besagte Prüfung mit den 450 Metern und der geheimen Prüfung. Wobei ich zu unserer Ehrenrettung noch erwähnen muss, dass die Silvretta ausschließlich nur in der Sanduhrklasse gefahren werden darf. Also keine elektronischen Hilfsmittel und nur mechanische Uhren. Es kam, wie es kommen musste. Es hat auf einmal hinten und vorne nicht mehr gepasst. Also hatten wir die erste Maxzeit kassiert.

Am Freitag ging es dann zum zweiten Tag über die Startrampe. Hier ging es dann erst einmal nach Rankweil, um dann auf schmalsten Straßen Richtung Kauerntal zum Gletscher hochzufahren.

Die weitere Strecke führte wieder über die Hochalpenstraße, hier war an der Mautstelle im Tal der Start zu einer WP, von der wir noch keine Zeitvorgabe hatten. Die zu fahrende Zeit haben wir erst an einer geheimen DK auf der Bielerhöhe bekommen. Dazwischen war dann auch wieder eine geheime WP zu absolvieren. Über Landeck und Ried ging es dann zum Kaunertal Gletscher hoch. In den Kehren war volles Haus und die Zuschauer haben wieder eine Begeisterung gezeigt die wir bis dato so noch nie erlebt haben. Im Gletscherrestaurant haben wir unser Mittagessen genossen um uns dann auf die zweite Etappe zu begeben.

Über Feichten, Kauns, Imst ging es dann nach Landeck. Hier war dann eine WP mit fünf Schnittwechseln und auch wieder einer geheimen WP. Leider hat es auch hier nicht gepasst. Das Tagesziel war dann auf dem Dorffest in Gaschurn, dieses Erlebnis hat uns mit dem Tag wieder versöhnt. Mitten im Ort, von Hunderten Zuschauern bestaunt, wurden die Fahrzeuge vorgestellt und jedes Team gefeiert wie ein Großer. Warum erlebt man so etwas nur im Ausland?


Tag 3 war filmreif für Pleiten, Pech und Pannen,

es begann damit, dass uns nach dem Frühstück der Hausmeister des Hotels entgegenkam und uns gefragt hat, ob uns der weiße Mercedes mit Heilbronner Kennzeichen gehört. Nachdem wir dies bestätigt haben, sagte er uns, die Heckklappe wäre offen. Das war tatsächlich der Fall. Ich hatte am Tag vorher noch einmal bei der Corolla nach dem Öl gesehen und die Scheiben gereinigt. Ich hatte vermutlich beim Einstecken des Schlüssels unbeabsichtigt mit dem Funk die Klappe geöffnet.

Aber es war alles noch da, also stiegen wir in die Corolla um nach Partenen zum Start zu fahren. Drei Kilometer vor Partenen habe ich dann Herbert nach unserer Startzeit auf der Bordkarte gefragt. Tja, was soll ich sagen, diese lag noch im Tresor im Hotel im Zimmer von Herbert.

Also kehrt und zurück ins Hotel um die Bordkarte zu holen. Nach diesem Adrenalinstoß haben wir es dann doch noch rechtzeitig an den Start geschafft.

In Nenzing kam dann die WP mit dem Slalomparcours, vier Schnittwechsel auf 260 Meter und nicht einsehbares Ziel. Leider kam auch hier keine gute Zeit für uns heraus.

In Damüls auf dem Parkplatz der Bergbahn war dann unsere zweite WP-Pleite des Tages, feiner Split auf dem Parkplatz und ein kleines Missverständnis beim zählen brachten mich etwas in Not. Um rechtzeitig durch die Lichtschranke zu kommen, fehlten noch einige Meter. Heckantrieb, Sperre und ca. 160 PS auf Split führen nicht unbedingt zu einer rasanten Beschleunigung, aber zu einer immensen Staubwolke, die Zeitnehmer mögen es mir verzeihen. Fazit: wir waren zu langsam. Was danach kam, war vom Veranstalter sicherlich nicht beabsichtigt, hätte aber im Vorauswagen berücksichtigt werden müssen. Es war an der Einmündung zur Hauptstraße ca. 400 Meter weiter unten eine Baustelle. Hier mussten wir 32 Minuten warten, weil immer nur zwei Autos durch die Grünphase kamen. Aber nachdem sich alle Teilnehmer beschwert hatten, gab es in der Auswertung keine Strafpunkte für die Verspätung. Leider wurde diese Zeit an der Mittagspause in der Jägeralpe in Schröcken wieder aufgeholt, indem diese gekürzt wurde.


Über den Flexenpass ging es dann über Langen, Braz, Bludenz ins Ziel. An der Talstation der Valisera Bahn war Ziel und Siegerehrung.

Trotz aller Widrigkeiten hatten wir dann in der Gesamtwertung Platz 109 von 204 Startern und in der Klasse immerhin noch Platz 15 von 42 Startern erreicht.

Als Fazit kann ich nur für mich sagen, eine tolle Veranstaltung, wunderschöne Strecken (ca. 600 Kilometer) durch das Montafon, eine großartige Begeisterung bei den Zuschauern, trotz aller Pannen ein unvergessliches Erlebnis und mit der Corolla drei Tage lang Fahrspaß pur ohne technische Probleme.

Team Bernd Sandrisser/Herbert Frey auf Toyota Corolla AE 86 Trophy
Fotos: Foto-Kurz Imaging GmbH